Was uns der Farbpsychologe rät - ein Interview mit Prof. Harald Braem

Farben wirken auf Leib und Seele – sie aktivieren das Nervensystem und beeinflussen unser Denken, Fühlen und Handeln. »meineSZitty« sprach mit Prof. Harald Braem, Direktor des Instituts für Farbpsychologie in Bettendorf, RheinlandPfalz, über die optimale farbliche Gestaltung der eigenen vier Wände.

Alle Wände weiß – reicht das?

Prof. Braem: Weiß alleine ist zu wenig. Die Räume wirken schnell emotionslos und steril. Man sollte auf jeden Fall auch andere Farben an die Wände bringen.

Welche Farben sind gut für kleine Räume?

Prof. Braem: Je heller die Farbe ist, desto größer wirkt der Raum. Eine weiße Decke öffnet optisch den Raum und kann gut mit hellen Pastelltönen an den Wänden kombiniert werden.

Was empfehlen Sie fürs Wohnzimmer?

Prof. Braem: Das Wohnzimmer ist für die meisten Menschen ein Rückzugsort, in dem sie ihre Batterien aufladen möchten. Wer gerne Gäste hat, sollte seine Wände in mediterranen Farben streichen. Warme Gelb-Orange-Töne zum Beispiel fördern die Kommunikation. Dazu passen im Prinzip auch alle Möbel.

... und fürs Schlafzimmer?

Da kann man ruhig seinem Geschmack freien Lauf lassen. Denn dann träumt man am besten. Entspannend wirkt zum Beispiel Lila. Doch grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr! Eine lila gestrichene Wand kombiniert mit Wänden in Sandfarben wirkt viel besser, als wenn alles nur in Lila ist.

Was gehört ins Kinderzimmer?

Prof. Braem: Sonnengelb schafft sonnige Kinder und ist des-halb eine tolle Grundfarbe! Zu Sonnengelb passt die Farbe Blau gut. In der Nähe des Schreibtisches zum Beispiel sorgt sie darüberhinaus für eine gute Arbeitsatmosphäre.

Bei welchen Farben raten Sie eher ab?

Prof. Braem: Blau, die Lieblingsfarbe der meisten Deutschen, wirkt schnell zu kalt. Man friert schneller. Blau lässt sich aber zum Beispiel im Badezimmer gut mit Weiß kombinieren. Wer gestresst ist oder hohen Blutdruck hat, sollte Rot meiden. Denn dieser Ton wirkt sehr anregend und kann sogar aggressiv machen. Ein rotes Sofa oder rote Kissen reichen als Blickfang. Wer unbedingt will, kann eine Wand in einem abgedunkelten Rot streichen, aber bitte keinen ganzen Raum! Braune Wände sind zu dunkel. Von grünen Wänden rate ich auch eher ab. Viel schöner ist es doch, wenn Sie grüne Akzente durch Pflanzen setzen. Dabei sorgen Sie auch noch für gute Luft.

Haben Sie noch einen Tipp für uns?

Prof. Braem: Ein genereller Tipp wäre: Es muss nicht immer Tapete sein, denn es gibt gute Alternativen, wobei eine geschwammte Wand grundsätzlich sympathischer wirkt als eine glatt gestrichene. Die Farbe verändert sich je nach Lichteinfall und wird dadurch lebendiger und spannender!